Nachdem sich die „Unternehmer für Sechzig“ bei den Löwen bereits etabliert haben, stellten wir uns die Frage, wieso beim „Arbeiterverein“ TSV München von 1860 e.V. noch keine Vereinigung der „Arbeiter“ vorhanden ist. Gründe dafür gibt es zahlreich.

Wir, das sind Gewerkschafter*innen, sowohl aktiv engagierte, als auch passiv motivierte Kolleginnen und Kollegen, wie es so schön heißt.

Geld macht nicht die Musik

„Wer zahlt, schafft an!“ – Das ist eine Redewendung, die sich in unserer Gesellschaft zutiefst als Leitlinie eingeprägt hat. Auch beim TSV 1860 München gibt es zahlreich Menschen, die der Auffassung sind, dass diejenigen, die Geld haben, den Kurs bestimmen sollen. Hierbei hofieren bei Sechzig viele vor allem Investor Hasan Ismaik. Es gibt auch viele, die bereits nach dem nächsten finanzkräftigen Alleinentscheider rufen. 

Doch ist das so richtig? „Wer zahlt, hat lediglich Anspruch auf eine vertraglich vereinbarte Leistung!“, das trifft es unserer Meinung nach schon eher. Im Falle von Hasan Ismaik heißt das übersetzt, dass er bei seinen „Investments“ wusste, dass er sich auf „50+1“ einlässt und, dass es im Verein 1860 demokratisch legitimierte Entscheider*innen gibt. 

Es ist zwar legitim, dass Hasan Ismaik für sich mehr Mitspracherecht einfordert. Es ist aber ebenso legitim, wenn die Mitglieder des Vereins darauf hinweisen, dass sie sich eine andere Führung gewählt haben. Diesen Interessengegensatz gilt es sportlich zu sehen. 

Auch in der Arbeitswelt versuchen Unternehmer „Erwerbsarbeit Abhängigen“ immer wieder weiß zu machen, dass „Arbeitnehmer“ gefälligst zu spuren haben. Viele glauben das. Obwohl es keine Sklaverei in der BRD gibt. Und obwohl der Unternehmer ohne die „Arbeitnehmer“ aufgeschmissen ist, wie man eindrucksvoll bei Streiks merkt. Im Sport ist das ähnlich. Was ist der ohne Fans? Was ist ein Verein ohne seine Mitglieder? 

Absatzmarkt und Geltungsdrang

Nicht umsonst sponsort die Wirtschaft und damit die Unternehmen den Sport in allen nur denkbaren Weisen. Es geht um Einfluss und Festigung der Machtpositionen. In Form von Absatz von Produkten, aber auch im gesellschaftlichen Standing. Unternehmen und Einzelpersonen aus diesen fordern Mitspracherechte in Sportvereinen ein und nehmen damit direkt Einfluss auf die Gesellschaft, indem dies als Normalzustand wahrgenommen wird. Man gibt sich dem Schicksal hin und ordnet sich entsprechend unter. Zum Nachteil des eigenen Selbstverständnisses. 

Verein ist für Viele gleichbedeutend mit Familie

Im internationalen Wettbewerb ist es im Profisport sicher notwendig, dass finanzkräftige „Unterstützer*innen“ vorhanden sind. Solange diese respektieren, dass ein Verein für seine Mitglieder mehr ist, als nur Absatzmarkt, ist das auch okay. Denn für die Menschen, die diesen Verein leben, ist er eine Art Familie und für viele ein Zuhause. Und in einer Familie und in einem Zuhause entscheidet nicht derjenige mit dem meisten Geld, sondern Entscheidungen werden dort gemeinsam getroffen. Auf Augenhöhe. Geld wird für familiäre Zwecke ausgegeben. Wir begrüßen daher alternative Konstellationen zu Großinvestoren/Mäzen, wie die Unternehmer für Sechzig, Netzwerke aus kleinen und mittelständischen, oftmals lokalen, Unternehmen, die sich für den Sport engagieren.

Aufstehen für Sechzig

Als „Arbeitnehmer*innen für Sechzig (AF60)“ verstehen wir uns in erster Linie als Fan-Vereinigung, die den TSV 1860 München nach besten Kräften unterstützen will. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt mit geeigneten Aktionen und Maßnahmen aufmerksam zu machen, wenn ein Ungleichgewicht zwischen Unternehmer(netzwerken) und dem „gemeinen Fan“ bei Sechzig auftritt. Geld ist kein alleiniges Kriterium für Machtpositionen im Verein. Die Liebe zum Verein, Sachverstand und fachliches Wissen sind Kriterien, die es gilt zu fordern und zu fördern. 

In diesem Sinne lautet unser Motto: Aufstehen für Sechzig.